I. Ursache

Die Geschichtsschreibung bezeichnet als "Deutschen Bauernkrieg" zusammengefasst viele Erhebungen im süddeutschen, schweizer und österreichischen Raum in den Jahren zwischen 1524 und 1526. Bereits seit vielen Jahrzehnten hatten sich Bauern gegen ungerechte Behandlung erhoben, z.B. die Bundschuhbewegung um 1460 oder der Aufstand des "Armen Konrad" 1514. Bauernaufstände gab es in England, Flandern, Böhmen, in der Schweiz - immer wieder flammten seit dem 14. Jahrhundert örtlich begrenzte Unruhen auf, welche jedoch von der Obrigkeit schnell niedergeschlagen wurden.

Gründe für die Aufstände waren die sozialen und gesellschaftlichen Probleme der Zeit. Adel, Bürgertum und Klerus lebten letztendlich von der Arbeit der Bauern. Neben dem zu entrichtenden Zehent schlugen alle anderen Abgaben, Steuern und Zölle auf den Bauernstand durch. Die Bauern waren zu Fronarbeit verpflichtet. Alle diese Forderungen waren schriftlich niedergelegt und verbrieft, die Rechte der Bauern waren jedoch fast sämtlich "Altes Recht", d. h. althergebracht, nur mündlich überliefert und nicht urkundlich nachweisbar. Daher wurden diese Rechte (Weiderechte, Holzeinschlag, Jagd- und Fischereirechte, usw.) von den Lehensherren oft beschnitten oder ganz ignoriert. In manchen Gebieten galt noch das Erbteilrecht: Höfe wurden unter den Söhnen aufgeteilt. Dies führte zu immer kleineren Höfen, welche dann wirtschaftlich unrentabel wurden. Viele Bauern waren gezwungen, sich und ihre Familie in die Leibeigenschaft zu geben oder unter hohen zusätzlichen Kosten Flächen anzupachten.
Interessant ist jedoch, dass nicht die Mehrzahl der kleinen Bauern den Aufstand auslösten. Vielmehr die "Oberschicht" der Dorfgemeinschaften war ursächlich für die Erhebungen: Dorfräte, Handwerker und Eigenbauern wollten Veränderungen.
Reformen - auf keinen Fall der Umsturz der Ordnung, waren die Ziele der Unruhen. Die Bauern wollten nur ihre althergebrachten Rechte bestätigt und ein erträgliches, gottgefälliges Leben und die Möglichkeit, den Lebensunterhalt selbst bestreiten zu können.
Vielfach beriefen sich die Bauern auf die protestantische Reformation. Martin Luther jedoch distanzierte sich von den Aufständischen, welche die gottgegebene Ordnung stürzen wollten. Berichte über Greueltaten von Bauern veranlassten ihn schließlich zu seiner Schrift "Wider die mörderischen und räuberischen Horden der Bauern". Der Prediger Thomas Müntzer, ehemaliger Anhänger Luthers, andererseits stand für einen gewaltsamen Umsturz und betätigte sich als Förderer der Aufstände.

II. Ablauf

Am 23.06.1524 kam es zur ersten Erhebung bei Stühlingen im Schwarzwald. Kurz danach kam es auch zu Aufständen bei Forchheim und Erfurt. Am 02.10.1524 sammelten sich die Bauern im Hegau (ungef. 3.500 Mann). Für die Bauernkontingente setzte sich der Begriff Haufen durch. Der Hegauer Haufen zog Richtung Furtwangen. Im Februar und März 1525 bildeten sich drei weitere bewaffnete Gruppen: der Seehaufen (Region Bodensee, ca. 12.000), der Baltringer Haufen (Gegend um Biberach, ca. 12.000) und der Allgäuer Haufen (Region Kempten, ca. 7.000).Wie bereits o. a. wollten die Bauern keinen Umsturz der bestehenden Ordnung, auch eine kriegerische Auseinandersetzung war nicht in ihrem Sinn. Sie wollten lediglich ihre Forderungen mit Nachdruck bei der Obrigkeit vorbringen. Die Verhandlungen mit dem Schwäbischen Bund wurden durch 50 gewählte Vertreter in der Reichsstadt Memmingen geführt. Ergebnis der Beratungen waren die "12 Artikel", ein Forderungskatalog gegenüber den Fürsten.
Gefordert wurden u.a. die freie Pfarrerwahl, Abschaffung der Leibeigenschaft, freies Verkaufsrecht für landwirtschaftliche Produkte, freie Jagd und Fischerei, Rückgabe der Wälder, feste Strafen statt Willkür und Abschaffung des Pfarrzehents. In der Schlußformel findet sich wiederholt die Berufung auf die Heilige Schrift und der Verzicht auf alle Forderungen, welche nicht dem Wort Gottes entsprechen.
Die Artikel wurden schnell gedruckt und verbreiteten sich in Windeseile. Dies führte zu Unruhen im ganzen süddeutschen, schweizer und österreichischem Raum.
Vereinzelte Übergriffe und Plünderungen durch die Bauern verleidete dem Adel jedoch die Lust auf jegliche Verhandlungen.


Bild: Titelblatt einer Flugschrift über die 12 Artikel

Der Schwäbische Bund stellte, unterstützt durch die Fugger in Augsburg, ein Heer auf (9.000 Landsknecht und 1.500 Berittene). Zum Befehlshaber wurde der erfahreren Georg Truchsess von Waldburg-Zeil ernannt. Bis Ende März 1525 war die Streitmacht bei Ulm versammelt. Ungefähr 10 km entfernt lagerte der Leipheimer Haufen (ca. 5.000 Bauern) und raubte die umliegenden Klöster aus. Am 04. April vernichteten die Truppen den Bundes die aufständischen Bauern bei Leipheim. Die Stadt Leipheim, welche mit den Bauern sympathisiert hatte, wurde besetzt und musste ein Schutzgeld zahlen. Die Anführer der Bauern wurden sämtlich hingerichtet.
Anfang April rotteten sich die Bauern aus dem Neckartal und dem Odenwald zusammen. Bei Weinsberg fielen ihnen der Graf von Helfenstein und seine Ritter in die Hände. Angestachelt von ihrem radikalen Anführer Jäcklein Rohrbach ließen die Bauern ihre Gefangenen durch die Spieße laufen (16.04.1525). Diese unbedachte Handlung ging als "Weinsberger Bluttat" in die Geschichte ein und wurde vom Adel als Paradebeispiel für die marodierenden Bauernhaufen herangezogen, mit denen Verhandlungen nicht lohnten.
Nach der Ermordung der Adeligen vereinigten sich der Neckartaler Haufen mit dem Haufen aus dem Taubertal (Der Schwarze Haufen). Dieser wurde von dem Landadeligen Florian Geyer angeführt. Diese starke Streitmacht (jetzt ca. 12.000 Bauern) gab sich den Namen "Heller Lichten Haufen", zwang den Adeligen Götz von Berlichingen als Hauptmann zu fungieren und zog gegen die Fürstbischöfe von Würzburg und Mainz. Die Frauenburg bei Würzburg wurde belagert.
Am 12.04. wurde der Baltringer Haufen von den Truppen des Bundes besiegt. Die Überlebenden wurden entwaffnet, mussten abschwören und gegen Lösegeld nach Hause geschickt. Beim Seehaufen befanden sich viele ehemalige Landsknecht so dass Waldburg-Zeil einen direkten Konflikt scheute, sich etwas zurückzog und Verhandlungen einläutete. Auf dem Rückzug begegnete er bei Wurzach dem Ällgauer Haufen, verhandelte erfolgreich und konnte den Haufen entwaffnen und zerstreuen. Mit dem Vertrag von Weingarten (17.04.1525) erkannte Georg Truchsess von Waldburg-Zeil einige Rechte des Seehaufens an, sicherte ein Schiedsgericht zu und erreichte den Abzug und die Auflösung des Haufens.
Der Württemberger Haufen (8.000 Mann) sammelte sich am 16.04.1525, besetzte Stuttgart und zog gegen Böblingen. Mittlerweile flammten im gesamten Gebiet Aufstände auf - zahlreiche Klöster und Burgen wurden geplündert.
Das Heer des Schwäbischen Bundes zog nun ins Neckartal. Nach einigen kleineren Gefechten kam es am 12.05.1525 bei Böblingen zur Schlacht. Die Bauern wurden vernichtend geschlagen.
Der radikale Prediger Thomas Müntzer hatte die aufständischen Bauern in Thüringen vereinigt und wollte mit dem Heer seine Vorstellung einer gottgewollten Ordnung durchsetzen. Die Thüringischen Fürsten stellten die Bauern bei Frankenhausen. Am 15.05.1525 kam es zur Schlacht, die Bauern wurden vernichtend geschlagen. Müntzer konnte zuerst fliehen, wurde aber von einem Landsknecht kontrolliert und konnte anhand von Briefen, welche er bei sich trug, identifiziert werden. In Gefangenschaft wurde er gefoltert und schließlich hingerichtet.
Der Breisgauer Haufen (ca. 20.000 Bauern, Region Breisgau und Schwarzwald) konnte die Stadt Freiburg im Breisgau einnehmen (23.05.1525). Das nahe Radolfszell wurde von anderen Bauern belagert. Der Breisgauer Haufen löste sich weitgehend auf, nur wenige Aufständischen eilten den Belagerern von Radolfszell zu Hilfe. So war es für den Erzherzog von Österreich ein Leichtes, diesen Haufen zu zerschlagen.
Die Truppen unter dem Truchsess von Waldburg Zeil zogen weiter nach Königshofen und vernichteten dort die Neckartaler und Odenwälder Bauern (02.06.1525). Bereits am 04.06.1525 erreichte das Heer des Schwäbischen Bundes die Gegend um Würzburg und stellte den "Hellen Lichten Haufen". Götz von Berlichingen hatte am Vortag sein unfreiwilliges "Kommando" niedergelegt und war auf seine Burg Hornberg. Die nun führerlosen und militärisch unerfahreren Bauern hatten keine Chance - innerhalb von zwei Stunden wurden angeblich 8.000 Bauern getötet.
Anschließend wandten sich die Truppen des Schwäbischen Bundes wieder nach Süden und zerschlugen im Juni und Juli die letzten aufständischen Haufen im Allgäu.


Bild: Aufständische Bauern, Holzschnitt für einen Druck der Memminger Artikel

Militärisch waren die Truppen des Schwäbischen Bundes sicherlich nicht gefordert worden - die Gegner verfügten über wenig Erfahrung, waren schlecht bewaffnet und noch schlechter geführt. Herausragend ist jedoch die Marschleistung von über 1.000 km in 16 Wochen.
Mit dem Sieg von Kürfürst Ludwig von der Pfalz über die Pfälzer Aufständischen in der Schlacht bei Pfeddersheim am 24.06.1525 wurde der letzte größere Bauernhaufen zerschlagen. Bis September 1525 waren alle Vergeltungsmaßnahmen abgeschlossen.
Der Kaiser und Papst Clemens VII. dankten dem Schwäbischen Bund für seinen Einsatz.

III. Folgen

Den Fürsten gelang es, die Aufstände komplett niederzuschlagen. Die Kriegshandlungen hatten im gesamten Raum geschätzt 75.000 Todesopfer gefordert. Verheerend war die Zerstörung von über 300 Klöstern und ca. 250 Burgen, von denen vielen nicht mehr aufgebaut wurden.
Den Forderungen der Bauern wurden selbstverständlich nicht nachgegeben - im Gegenteil, die Unterdrückung wurde noch verschärft (Einführung eines Schenkenverbots nach Einbruch der Dunkelheit, Versammlungs- und Waffenverbot, Schleifung einiger Stadtbefestigungen, usw.). Einzige Ausnahme blieben die o. a. "Memminger Artikel" - die dort verzeichneteten Zugeständnisse wurden im Memminger Raum weitgehend belassen. Die Rädelsführer der Aufstände wurden für vogelfrei erklärt, teilweise gefangen und hingerichtet. Flüchtige wurden durch die Reichsacht in die Illegalität getrieben und trieben noch lange Zeit als Räuberbanden in den Wäldern ihr Unwesen.
In der Nachfolge gerieten die Ereignisse rasch in Vergessenheit. Erst die Französischen Revolution und die Revolution von 1848 brachten die Gelehrten wieder auf die Bauernkriege. Engels und Marx sahen frühkommunistische Bestrebungen in den Bauernkriegen (Engels: "(..)der großartigste Revolutionsversuch des deutschen Volkes (..)", Marx: "(..) konsequenter Aufstand eines unterdrückten Volkes im Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus (...)"). Diese Betrachtungsweise wurde später vor allem in der Geschichtsschreibung der DDR propagiert.
Die Nationalsozialisten vereinamten den Bauernkrieg und seine Anführer als "Vorkämpfer der Volksbewegung zur Befreiung des Nährstandes" und damalige Gelehrte sahen in der Machtergreifung der NSDAP "die Vollendung der Ziele des Kampfes von 1525" (Zitat nach Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich.)

IV. Personen

Ein umfangreiches Verzeichnis der Persönlichkeiten des Bauernkrieges mit Lebensdaten und Kurzbiografien findet sich auf der Internetseite von Hans Holger Lorenz (Link s. unten, abgerufen 23.12.2013)

V. Quellen

Franz Günter: Der Deutsche Bauernkrieg
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst - Das Mittelalter
Mai, Manfred: Nichts als die Freiheit!
Lorenz, Hans Holger: Notizen über die Bauernkriege, veröffentlicht auf: http://www.bauernkriege.de/GrosserDeutscherBK.html